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Jubiläumsfeier

Gäste beim Geburtstag verzaubert

Ein Bericht von Maya Peters - erschienen im Haller Tagblatt am 18.10.2016


Es sieht so aus, als schliefe es, winzig klein und doch perfekt. Details wie der zarte Haarflaum, der Storchenbiss und die winzigen Gliedmaßen lassen die Betrachter staunen. „Man hat das alles vergessen. Doch jetzt kommt es wieder hoch", meint einer der Gäste beim Jubiläum der Elterngruppe für Früh- und Risikogeborene Schwäbisch Hall mit dem lebensechten Püppchen im Arm.


Emotional geht es zu bei der Geburtstagsveranstaltung des Frühchenvereins am Sonntag in der Hospitalkirche. Die erwachsenen Frühchen, damals der Anlass zur Vereinsgründung 1996, sind ebenso gekommen wie deren Gründereltern sowie neuere Mitglieder. Alle tragen ihre Geschichten im Gepäck, sie verbindet der Schock über eine unerwartet früh beendete Schwangerschaft oder ein krank geborenes Kind. Selbstzweifel, Schuldgefühle und viele Ängste bewegen die Gemüter der Eltern. Aus dieser Situation heraus bildete sich die Initiative für den Austausch unter Betroffenen vor 20 Jahren.

Nicht bei jedem ging die Geschichte so gut aus wie bei der früheren Vorsitzenden Gesa Seevers, deren Sohn 1994 in der 25. Schwangerschaftswoche geboren wurde. 830 Gramm leicht und nur 33 Zentimeter groß. „Das ist weniger als ein Zuckerpäckchen", macht sie mit rauer Stimme deutlich und kämpft noch 22 Jahre später mit den Tränen. „Geben Sie ganz viel Vitamin L – Liebe", sei der beste Rat gewesen, den ihr die Ärzte gegeben hatten. „Julian ist jetzt der größte der Familie, vielleicht auch der schwerste. Aber da wir ihn nicht mehr täglich wiegen, wissen wir das nicht so genau", endet sie unter Applaus.

Puppe zum Üben angeschafft

„In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert", berichtet die Ärztin Aniela Hänel, Erste Vorsitzende der Elterngruppe Früh- und Risikogeborener. Derzeit hätten sie rund 80 Mitglieder. Während das erste Sommerfest 1996 in einem Privatgarten als Picknick gefeiert wurde, wäre das 20 Jahre später nicht mehr denkbar. „Wir waren über 300 Leute auf dem Bauernhof Renz", erzählt Hänel, darunter Eltern von acht Zwillings- und zwei Drillingspärchen. „Heute vollbringt die Medizin förmlich Wunder", freut sich die Ärztin. Auch der Blick auf die psychosoziale Seite der Versorgung habe sich geändert.

In monatlichen Treffen im Inselcafé im Diak geht der Verein auf Eltern zu, bietet Erfahrungsaustausch, starke Schultern zum Ausweinen und Zeit zum Zuhören. „Das Gefühl, nicht allein zu sein, hat in mir vieles verändert", berichtet Aniela Hänel aus eigener Erfahrung. Sie ist selbst Mutter eines frühgeborenen vierjährigen Jungen und engagiert sich seit zwei Jahren im Vorstand. Ihre Stellvertreterin Marianne Karle ist durchgängig seit 20 Jahren aktiv. Fachvorträge, Elterngespräche und Infostände wie am Tag des Frühchens gehören neben dem jährlichen Sommerfest zu den festen Aufgaben des Haller Vereins.

Verein unterstützt Diak

Insgesamt 63 000 Euro wurden seit 1996 für technische Anschaffungen wie Milchpumpen, Liegestühle oder Wärmestrahler ans Diak gespendet sowie für Fortbildungen ausgegeben.

„Das ist toll. Aber ihr persönlicher Kontakt zu den Eltern ist ganz besonders wertvoll", unterstreicht Pflegedienstleiterin Doris Albrecht vom Diak in ihrer Dankesrede anlässlich der Übergabe der Frühchenpuppe. Das kleine Kunstwerk im Wert von 500 Euro wurde vom Verein dem Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Professor Andreas Holzinger und der Pflegedienstleiterin zum Jubiläum übergeben. „Gedacht ist sie für Übungszwecke für Eltern und Auszubildende", erläutert die „Puppenmutter" Barbara Grieb vom Bundesverband „Das frühgeborene Kind". Die Größe und das Gewicht sind einem zwölf Wochen zu früh geborenen Kind nachempfunden: Die Puppe Lina passt auf ein DIN-A4-Blatt und wiegt 750 Gramm.

Einen Abschluss zum Staunen bietet der vom Supertalent auf RTL bekannt gewordene Mentalmagier Christian Fontagnier aus Ingelfingen. Auch er ist Frühchenpapa und spendet seinen überzeugenden Auftritt dem Verein zum 20-jährigen Jubiläum. Staunen und Verwunderung mischen sich unter den Applaus.  

 


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